"Spielregeln" in der Mediation

Spielregeln für den Umgang miteinander sichern eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Deshalb ist es sinnvoll, diese schon vor Beginn der Mediation zu vereinbaren.

Was wird von mir erwartet?

Harvard Prinzip

Kooperationsbereitschaft

Alle an einer Mediation Beteiligten sind grundsätzlich bereit, ihre Probleme und Konflikte mit der anderen Person, mit der sie im Streit liegen, zu lösen.

Das ist die Mindestvoraussetzung, damit Mediation gelingen kann.

 

Eigenverantwortlichkeit

Alle Beteiligten erklären ihre Bereitschaft, Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen. 

 

Fairness

Wechselseitiges Zuhören und ausreden lassen sind wichtig. Ebenso sollten eigene Bedürfnisse und die des/der anderen geachtet werden. Beschimpfungen und andere Formen der verbalen oder körperlichen Gewalt werden nicht toleriert.

 

Offenheit

Daten und alle entscheidungsrelevanten Information müssen offengelegt werden. So ist es z.B. bei einer Scheidungs-Mediation, in der es um die Alimentations-Zahlungen für Kinder geht, wichtig, die Einkommens- und Vermögenssituation offen zu legen.

 

Vertraulichkeit

Informationen oder Erkenntnisse aus den Gesprächen werden - wenn überhaupt - nur mit ausdrücklicher Zustimmung aller Beteiligten weitergegeben.

 

Informiertheit

Notwendige Informationen müssen eingeholt werden, damit die Tragweite und die Konsequenzen der Entscheidungen allen klar sind. Gegebenenfalls müssen Experten (z.B. Rechtsanwälte, Immobilien-Makler, Steuerberater) aufgesucht werden. So ist es zum Beispiel wesentlich, den Wert einer Wohnung zu kennen, über die in der Scheidungsmediation verhandelt wird.

 

Teilnahme

Jeder Beteiligte ist bereit, an den einvernehmlich vereinbarten Sitzungen teilzunehmen. In der Mediation wird - bis auf wenige Ausnahmen - grundsätzlich gemeinsam mit allen Beteiligten gesprochen.

 

 


Was kann ich vom Mediator erwarten?

Konsens statt Kompromiss

 

Struktur und Prozess-Verantwortung

Der Mediator führt durch die einzelnen Phasen des Prozesses. Dabei gibt er den Rahmen vor und lenkt die Kommunikation in zielführende Bahnen.

 

Allparteilichkeit (Neutralität)

Der Mediator ergreift nicht Partei, sondern wahrt die Chancengleichheit aller Beteiligten.

 

Schweigepflicht

Der Mediator ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Gespräche werden stets vertraulich behandelt. Eingetragene Mediatoren sind sogar vor Gericht von der Zeugenaussage-Pflicht entbunden.

 

Zukunftsorientierung

Die Klärung der Schuldfrage bzw. das Aufarbeiten der Vergangenheit ist nicht Thema der Mediation. Die Beteiligten werden unterstützt, Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. 

 

Mediationsvertrag

Nachdem eine für alle zufriedenstellende, gemeinsame Lösung gefunden wurde, schreibt der Mediator diese in einem Mediationsvertrag nieder. Dieser wird dann, gegebenenfalls nach Überprüfung durch die Anwälte, von allen Beteiligten unterschrieben.

 

Ergebnisoffenheit

Ziel einer Mediation ist es, offen individuell hilfreiche Lösungen zu finden. Es wird kein Rahmen, in dem sich diese Lösungen entwickeln sollen, vorgegeben. Lösungsvorschläge werden ohne Bewertung gesammelt, bei der Suche nach Optionen ist alles erlaubt.

 

Professionalität

Ich verpflichte mich,

  • durch sorgfältige Vorbereitung die Interessen der Konfliktparteien bestmöglich zu wahren,
  • auf parteiliche Beratung (Anwalt, Sachverständiger etc.)  hinzuweisen, sobald ich die Notwendigkeit erkenne
  • zu regelmäßiger Selbstreflexion durch Supervision oder Intervision sowie regelmäßiger Fortbildung, um die Qualität meiner Arbeit zu sichern.

 

Streiten bedeutet Wertschätzung.

Denn das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass,

sondern Gleichgültigkeit.